Station 0 - Labyrinthalbahn

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Jochen Schweizer Videokunst Lichtinstallation Projektion Kollage Compositing Klang supra-media-art Performance

 

 

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irrungen und wirrungen
vielfach gepriesen
und dem lufthauch geweiht:
die komplexität der erscheinung
zeigt ihren glanz

facetten der erde
grüßen verlockend
doch vom dasein gewollt:
die entzweiung des wesens
im göttlichen plan

stufen ins jenseits
drängen hinunter
in den nachtdunklen tag:
die absurdität der bestimmung
offenbart ihren wahn

am horizont indessen
bahnt sich das leben
in seiner schrecklichen pracht:
die menschliche kommödie
eröffnet den tanz

TEXTE

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unsichtbarer kampf
ahnungslos verfolgt
vom raubtierpaar

äusserer zwang
und weltstruktur fordern
die einsamkeit der entscheidung

lockende pflicht
eine erscheinung
mit glutroter hand

warnender hinweis
und höllenhund befehlen
die aufgabe der hoffnung

augenflackernd der abgang
zum feuer der nacht

in der ferne
der zeit voraneilend
entwächst das werk
dem sonntagsstaub
der schlafenden


Eläuterungen

Einleitung der 33 Stationen.

Die Szene zeigt den Protagonisten vor dem Abstieg ins Jenseits. Im Vordergrund erkennen wir den Dichter Dante Alighieri (1265-1321), der in einem monumentalen Werk seine Jenseitsreise durch die drei Bereiche Hölle, Läuterungsberg und Para-dies beschrieb. Er zeigt ein aufgeklapptes Buch, das Buch METAMORGANA.
Trotz der Mahnung auf der Warntafel neben dem Abstieg (Lasst alle Hoffnung fahren, die ihr eintretet) gibt die Anwesenheit Dantes und seine glücklich endende Reise, Anlass zur Hoffnung. Der Protagonist scheint dennoch zu zögern. Sein Blick ist auf eine Not leidende Kreatur gerichtet, die mit flehendem Arm um Hilfe bettelt. Zusammen mit den Erwartungen des Raubtierpaares hinter dem Geländer, den Ahnen, bildet die Verlockung, ein normales Leben zu führen und seiner zugedachten Rolle zu entsprechen, die erste Hürde auf seiner Jenseitsreise. Löwe, als Sinnbild der Kraft, Wolf, die dunklen Mächte und Leopard, der Trieb, erscheinen auch in Dantes Beschreibung des Weges zum Höllentor. Auf der Flucht vor den wilden Tieren, gerät er in das dunkle Waldstück, in dem sich der Eingang zur Hölle befindet.
Während der Protagonist noch um eine Entscheidung ringt, lassen sich schon weitere Hindernisse auf seinem Weg ausmachen: Auf dem Treppenabsatz erwartet der Höllenhund als Wächter der Unterwelt die Ankunft des Eindringlings. Nur Schatten dürfen passieren und keiner dem Hades entkommen. In seinen Fängen ein Säugling, Hinweis auf die Neugeburt im Jenseits. Auf den tiefergelegenen Stufen deutet der Tod mit seinem Blick in die Tiefen der Hölle, in der bereits das Höllenfeuer wie eine Exekutivinstanz moralischer Gesetze lodert.
Fast das gesamte Firmament überspannend, erscheint im Hintergrund der zukünftige Lebensentwurf: das zur Erkenntnis führende Labyrinth. In den Gängen erscheint der Protagonist, die 33 Räume des Höllenhimmels erkundend.
Im Zentrum des 7stufigen Labyrinthes, ein weiteres Labyrinth, das Ganze als Teil seiner selbst darstellend. Darin befindet sich der Tricorpus, der 3fache Körper, die Trinität, oder Anfang, Mitte und Ende, umgeben von acht Mikrochips. Die Acht symbolisiert in diesem Zusammenhang das Ziel.
Neben dem Labyrinth lassen sich weitere Symbole erkennen: Toth, der ägyptische Gott der Magie und Erfinder der Zeit, steht als Metapher für das universale Gesetz. Die Jesusdarstellung, Bild für die Kraft des Glaubens und unten rechts ein Ausblick auf den von Boticelli illustrierten Läuterungsberg. Der Buchstabe „P“ (peccatum) verweist auf die sieben Sünden, die man während des Aufstiegs zum Himmel überwinden muss.
Links befindet sich das METAMORGANA-Logo. Der Kreis im gleichseitigen Dreieck stellt den Geist dar, der die äußere Welt schafft. Gleichzeitig reflektiert sich die Welt in unserer Psyche.

 

 

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