Station 2 - GESCHICHTSFELDTHEORIE

<<    >>

Jochen Schweizer Videokunst Lichtinstallation Projektion Kollage Compositing Klang supra-media-art Performance

 

 

Text2

umjubelt von den wesen der erde
werden die führer erwartet
und bedürfnisse erfüllt

kräftiger arm der massen
trägt alle hoffnung
der augenwischerei

gepflastert vom glauben der seelen
werden wege geebnet
und intentionen verhüllt

ersehnt nicht auch ihr
das lamm im gekreuz der extreme?

TEXTE

Text1

eine bestimmte geschichte
wird als nahrung
über umwege
gierig
von brüsten gesaugt

viele zeiten
an stützenden armen
erzeugen
das erhaltene werk
mutter und kind
vom netz getragen

der lärm tretender
wird gemildert
die pflasterung
der opfer
als lösung verlangt

diverse faktoren
verkettet in säuren
befruchten
die erlesene wahl
engel oder teufel
massenhaft geformt

unwissend labend
die menschheit -
vergiftet
mit schuldloser schuld

ahnungslos
ergötzt sich das kind
an der maschinenmutterbrust



Eläuterungen

Historische Verstrickungen und ihre Auswirkungen.

Ein Säugling wird an der mütterlichen Brust, die mit einem Füllstutzen versehen ist, genährt. Seine Nahrung bilden die lebensspendende Energie der Muttermilch und gleichzeitig auf der geistigen Ebene, die kulturellen Werte, sowie tradierte Anschauungen der Gemeinschaft, deren Wurzeln in der Vergangenheit liegen und die der Mutter über ein Rohrsystem zugeführt werden. Auffällig ist, dass sowohl ihre Augen, als auch ihre Ohren verschlossen sind. Das Kind wendet sich von der Brust ab und erblickt die Welt. Was aber die Mutter nicht hören und sehen will, also verdrängt, wird nach dem Prinzip der psychischen Übertragung unbewusst dem Kind vermittelt. Die Schuld der Ahnen muss getragen werden. Weigern die sich aber die Schuld anzunehmen, werden die Nachkommen das für sie übernehmen müssen.
Das Netzwerk der Werte wird durch die Konstruktion einander Halt gebender Arme gebildet, die auch den Säugling stützen und beschützen. Das Hammelfleischstück, als Metapher des folgsamen Herdentieres, zeigt die im Sinne der herrschenden Ideologie ideal gelungene Sozialisation des Menschen. Das gemeinsam gebildete Netz trägt das massive Waschbecken der politisch weltanschaulichen Konzeption, in dessen Inhalt sich die Leichenberge der den Dogmen dargebrachten Opfer ergießen. Das Abflussrohr des Beckens nährt die Gemeinschaft (Fleisch).
Den notdürftig gepflasterten Leichenweg begehen die Idole, die Verkörperungen projizierter Hoffnungen und Wünsche, in Form hochdekorierter befehlsgewaltiger Herrschermenschen, deren Gesichter ausserhalb des Bildraums stehen, ein Zeichen für die Austauschbarkeit dieser vermeintlichen Hoffnungsträger. Ihre Identitäten werden ebenfalls durch die unterstützenden Arme der Massen ermöglicht, Hinweis auf unbewusst wirkende, in die Führer projizierte Hoffnungen. Das Volk kreiert seine Herrscher, weil es die individuelle Verantwortung nicht zu tragen bereit ist und sie den Führern, als Materialisation unausgesprochener Wünsche, überantwortet.
Der Protagonist gesellt sich zu den Toten und erfährt mitfühlend die Leiden der Getöteten. Eingezwängt in dieses System von Täter und Opfer, wählt er das Opfer, anstatt die Verantwortung für seine Welt zu ergreifen und ausserhalb dieses Systems für die Visionen einer besseren Welt einzustehen. Jedoch ist er nicht tot und seine Augen sind dem Himmel zugewandt. Er steht auf der Schwelle des Bewusstseins seiner Verantwortung gegenüber seiner Welt.
Zu seinen Füßen, der tote mumifizierte Frosch, die tierischen Instinkte des Menschen bezeichnend, die weiterhin in uns wirken. Sie sind konserviert und bilden als unvergängliche Geschichte einen Teil von uns.
Der gesamte Hintergrund wird durch Leichenberge gebildet, auf denen sich eine Übersichtstabelle zur Synthese von mRNS, Hinweis auf die nationalsozialistische Rassentheorie, abbildet. Zwei Cherubim kämpfen verzweifelt gegen die Teufel. Doch auch sie sind nur die Projektionen unserer Wünsche. Nur die bewusste Eigenverantwortlichkeit kann eine befriedigende Lösung für die Probleme der Welt darstellen.

 

 

zurück zur Übersicht