Station 3 - Resonanzkapsel

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Jochen Schweizer Videokunst Lichtinstallation Projektion Kollage Compositing Klang supra-media-art Performance

 

 

Text2

das wort projiziert
sich raumbildend
in die geahnte weltmessung

interpretationen mustern
die resonanzfähigkeit

der bebrillte mensch
schaut unwissend
in sein erzeugtes ebenbild

die traumkapsel zur wahrheit:
planmäßige ankunft
im bezirk der materie


TEXTE

Text1

von atomarer list befähigt
und mehr als spontan:
die weltenformel
ätzt
zeitgebrannte worte
in die rinde

sicht wandert
von pol zu pol -
der doppelmund
zeigt bloßes entzücken
im lichte der macht

angesichts gedachter felder
wird eine umgebung
veranlasst
gewisse objekte zu bilden
schablonen des wahns

das zahlende potential
derweil schläft
ermüdet
in der erinnerung
seinen rausch aus



Eläuterungen

Wahrnehmung der durch das Wort bestimmten Welt.

Eine Schreibmaschine ist über Rohrleitungen mit einem Diaprojektor verbunden. Worte besitzen Macht, sie verursachen Projektionen, d.h. sie beeinflussen die Realität. Worte brennen sich direkt in unsere Köpfe und lassen in unserer Vorstellung die Welt entstehen. Die Welt ist so, wie wir sie erleben und erkennen, indoktriniert durch Deutungen Anderer. Indem uns die Welt durch Worte erklärt wird, beginnen wir darauf aufbauend, ein eigenes jedoch manipuliertes Bild zu entwickeln, welches uns wie ein Abbild der Wirklichkeit erscheint. Diese unsere Weltinterpretation wird von uns in der Realität abgebildet, sie wird wahr. Erst bei mangelhafter Funktion unseres Realitätsglaubens, werden wir gezwungen unsere Weltsicht zu modifizieren, um sie wieder funktionabel zu machen. Hier geht es also mehr um Praktikabilität, als um Wahrheit. Solange unser Leben funktioniert, müssen wir unsere Sichtweise nicht verändern, verändern wir die Sichtweise, so verändern wir die Welt. Die letzten Geheimnisse der Realität werden laut Kopenhagener Deutung der Quantenphysik nicht gelöst werden können. Dies ist ein strukturelles Problem bei der Beobachtung von Ereignissen im subatomaren Raum. Wir wissen nicht, ob unsere Modelle der Welt einer objektiven Wirklichkeit entsprechen. Wir sind demnach gezwungen zu glauben.
Auf die Möglichkeit der nonverbalen Übertragung von Erfahrung wird durch den Embryo hingewiesen. Dieses Wissen entstammt der Menschheitserfahrung und wird als Struktur des Erkennens und Erlebens in codierter Form den Nachkommen mitgegeben. Die Erfahrung der Realität wird durch diese Strukturen mitbestimmt. Triebe, Instinkte und das kollektive Unbewusste gehören in diese Wissenskategorie. Bei der Interpretation der Wirklichkeit fließen diese Informationen unbewusst in unsere Welterklärung mit ein. Der Projektorstrahl beinhaltet diese Zeichen in Form von Basen der Messenger-RNA, den Matrizen zur Weitergabe biochemischer Informationen.
Die Welt, in der zu befinden sich unsere Psyche einbildet, wird als Konglomerat unterschiedlicher Aspekte ins Sein geschleudert. Die Weltformel Heisenbergs, 1958 als Vorschlag zur mathematischen Erfassung der Materiestruktur formuliert, kenn-zeichnet den Bereich der Wissenschaft, und den daraus resultierenden philosophischen Problemen, insbesondere die der Quantenphysik. Das Nebelkammerphoto eines Ereignisses im Elementarteilchenbereich beleuchtet die gleiche Problematik. Die Welt der magisch-mystischen Symbole, repräsentiert durch die grün-brennende Mutterfigur, bildet einen weiteren Aspekt, unserer zumeist unbewusst wirkenden Weltgestaltungsstruktur. Eine erdgeschichtliche Zeittafel symbolisiert die gesamte Lebensentwicklung, die unser Bild der Welt formt.
Wasserstoffbomben deuten auf die Gefahren, die jede Wissenschaft beinhaltet. Dies ist auch im geistigen Sinne zu verstehen. Wissenschaftliche Erkenntnisse werden allzu leichtfertig als objektive Wahrheiten dargestellt. Die Zahl 137, der Kehrwert der als Feinstrukturkonstante bezeichneten dimensionslosen Zahl alpha, deutet an, wie wenig wir im Grunde über die Beschaffenheit der Materie (und des Geistes) wissen.

 

 

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