Station 4 - Gottesbeweis

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Jochen Schweizer Videokunst Lichtinstallation Projektion Kollage Compositing Klang supra-media-art Performance

 

 

Text2

prothesen bieten
gezielte erlösung
doppeläugiger einsatz
widersteht anteilig dem drang

mechanisches paradies
zeigt befremden
angesichts gelackter schuhe
sowie den wonnen der last

es ist eine zeit
tönt verhalten
dahinter
das wort

---oder ist es
nur ein verrückter GOTT
der den weltautomaten befruchtet?

TEXTE

Text1

der herrscher
wird durch sein geschlecht
zu einer tat verleitet -
öl soll sein same sein
seine hure die welt

das gewissen
verhilft dem arm
zur gültigen trennung -
schuld soll seine wunde sein
freude sein schmerz

es ruht
auf dem tuch der befleckung
die lust -
gewärtig soll ihr zepter sein
gekreuzigt ihr blick

symbole geruhen
fundamental unter lack
zu erscheinen -
geheuchelt soll die ordnung sein
kaffeesatz der welt die heimliche herrin indessen
verursacht drakonisch
ihre betäubende wirkung


Eläuterungen

Gesetzmäßigkeiten, denen auch Herrscher oder Götter unterliegen.

Der verwirrt wirkende Herrscher, ein prätestamentarischer Gott, auf seinem Thron masturbierend, erfährt entsetzt die Konsequenzen seiner Handlungen: sein Arm löst sich, als Strafe für seinen Missgriff, von seinem Körper, fällt ab. Auch herrschende Götter sind nicht von den Folgen ihrer Taten befreit, sondern unterliegen übergeordneten Gesetzmäßigkeiten. Der Arm wird durch die Instanz der Exekutive genommen. Diese Instanz ist die individuelle Erfahrung von Welt, die durch das Unbewusste kreiert wird. Dieser Aspekt tritt auch durch die rote Brille des Gottherrschers hervor: Seine Welt wird de facto eingefärbt durch seine Sichtweise auf sie.
Das teilweise befleckte Tuch, der Schal eines buddhistischen Ornats, lässt an ein religiöses Ritual erinnern. Primitivsymbolische Zeichen auf dem (Himmels)boden, der Ebene der Möglichkeiten, werden durch den Samen gleichermaßen befruchtet, wie das Räderwerk des Weltgetriebes. Der Knüppelbeinantrieb erscheint dort in Zahnradform, als Verweis auf die durch sozialen Druck erzwungene Antriebskraft. Der Herrscher verfügt über vier Beine, die ihm Handlungsspielraum und Schnelligkeit garantieren. Die Füße, bekleidet mit roten Damenschuhen, sind Indiz für ein weibliches Prinzip im männlichen Gott.
Ein Zepter, als Zeichen der Macht, lehnt seitlich am Thron. Der Herrscher hat es dort abgestellt, um seine egoistischen Bedürfnisse zu befriedigen, die aber als altruistisch-heroische Taten getarnt werden. Gekrönt wird das Zepter vom Augenkreuz, der drohenden Beobachtung, einer Allmachtsmethode. In Verlängerung der Zepterachse, stoßen wir auf das erhaben und ernst wirkende Gewissen.
Eine greifbare Lösung des Gottesmenschen für das Dilemma des verlorenen Armes, bietet eine neben dem Thron befindliche Abbildung von Prothesen. Dieser Hinweis deutet auf die Tendenz, Konsequenzen umgehen zu wollen, anstatt die persönlichen Handlungen auf übergeordnete Gesetzmäßigkeiten auszurichten. Dies ist nicht moralisch aufzufassen, sondern als Verantwortlichkeit des Individuums gegenüber Anderen und gegenüber sich selbst.
Der Protagonist, hier in die Szene eingreifend, ist Ausdruck der Reaktion der Welt. Eine Antwort auf Taten. Gummihandschuhe schützen vor der Infektion der Beeinflussung und Verführung.

 

 

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