Station 6 - PLANTATBEATMUNG

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Jochen Schweizer Videokunst Lichtinstallation Projektion Kollage Compositing Klang supra-media-art Performance

 

 

Text2

marionettenhaft gesteuert -
von impulsgebern gezwängt -
der knechtschaft erlegen -

die metamenschmaschine
ergibt sich
der vorhandenen
raumordnung

um so

gehalten

ihre
atmung

einzustellen

TEXTE

Text1

seht den klang der seidenbetonzelle

biografische züge in mehreren farben
nebst weiteren drahtziehern
deuten hypothetisch die richtung
es vollziehen
die hüter der gesetze ihr werk
organische kontrolle!

lauscht den rotfeld-impulsionen

vermisstes plantat wird kostbar eratmet
und der saugende muttermund
eröffnet dem freien fall eine absage
es entnehmen
gründe die fäden des potentials
verstrickte wonne

glaubt der meldung der zensoren

verleitetes gefüge betritt die zeit
und wandelt sich spontan
in 1000 brüder und schwestern
entlässt hautgebete
im antlitz der schuld
gebundenes karma

(druckartig nähert sich
der eigentümer
den wissenden strängen
der liebe)



ElÄuterungen

Verstrickung mit der persönlichen Geschichte.

In einem kahlen tempelartigen Betonbau, zerrt ein verkabelter Mensch an den Verstrickungen seiner Geschichte. Das chaotisch erscheinende Strippengewirr hält ihn einerseits in seinem individuellen Handlungsspielraum gefangen, andererseits bieten die Leitungen, als Informationsüberträger, dem Menschen den nötigen Halt, um dem Leben nicht schutzlos ausgeliefert zu sein. Innerhalb dieses Haltesystems ist es ihm möglich zu agieren. Ein großer Teil der beengenden und stützenden Verseilung fließt direkt aus dem Muttermund, ein Sinnbild für die Vorfahren, deren Gene, Erfahrungen und Wirkungen direkt in das Charakterbild des Menschen eingreifen und so sein Aktionsradius wesentlich mitbestimmen.
Weitere bestimmende Kategorien der Haltung, durch Kabel indirekt mit dem Menschen verbunden, finden sich im Bereich der Gewölbedecke: Gesetzmäßigkeiten, in Form des ägyptischen Gottes Toth; persönliche lebensgeschichtliche Erfahrungen, (Photos aus dem Leben des Autors; einem Gehirn, als Symbol psychisch-seelischer Komponenten; sowie bewegungsmeldergesteuerte Überwachungskameras, die die kulturelle Sozialisation repräsentieren. Die Leitungen laufen über den (Mutter)Mund, im Sinne von Erwartungen, zum Körper des Menschen. Einige der Stränge werden über Wandler, die Interpreter, zugeführt. Sie stehen für die Gefahr der Entwicklung von Fehlinterpretationsmustern seitens des individuellen Bewusstseins. Im vorliegenden Fall scheint der Spielraum der Gefühle beengt, sodass der Mensch gezwungen ist, einen verzweifelten Kampf zur Rettung des Gefühls (Herz) anzutreten.
Durch ein Beatmungsgerät mit dem göttlichen Odem versorgt, erwartet das Herz die Implantation in seinen Besitzer. Das Versagen der normalen und gesunden Gefühlsfunktionen wird auch durch den gerissenen Kabelbaum angedeutet. Um das Herz erreichen zu können, stemmt der Mensch sich erfolglos gegen die Stränge der Vergangenheit, statt gemeinsam mit ihnen, also in einem therapeutischen Verfahren, verworrene Energieströme neu zu verlegen. Sobald der Mensch beginnt, die Verkabelung nicht als Ketten der Beengung, sondern als Stütze des Lebens zu erfahren, also seine Sichtweise zu verändern und seine Weltsicht neu zu interpretieren, werden die Interpreter ihm genügend Leine lassen, um das anvisierte Ziel in greifbare Nähe zu rücken.
Der das Leben bestimmende Tod erscheint auf einem Pfeiler, gleich einem Damoklesschwert, über dem Kopf des Menschen. Das Bewusstsein um die Endlichkeit des Lebens bringt den Menschen in die Lage, das Sein zu hinterfragen und Antworten auf die ewigen Fragen zu suchen. Dies wirkt sich auch auf das Leben aus, nicht zuletzt durch die kulturellen Werte und Normen, die von religiösen und philosophischen Ansätzen geprägt sind. Im hinteren Bereich des Betonbaus befinden sich zahlreiche männliche (Protagonist) und weibliche Figuren, die potentiellen Brüder und Schwestern. Sie repräsentieren alternative Sicht- und Verhaltensweisen, die der Mensch ebenso einnehmen könnte.

 

 

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