Station 10 - INHALATORENREFLEX

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Jochen Schweizer Videokunst Lichtinstallation Projektion Kollage Compositing Klang supra-media-art Performance

 

 

Text2

stolz beansprucht eine
überlegene verdrehung

somit erteilt das greifbare
ziel den
marschbefehl der
existenz

es kontrastiert das
unentschiedene sich zu weißschwarz

auf diese weise
geölt
erscheint die
komplexe gestalt

in ihrer strahlenden
schlichtheit



TEXTE

Text1

präziser niederschlag
kündigt seinen bedarf an -
erhörte technik

pressköpfe entsprießen
dem fünfeck
geblasene masken
im tuch
implantat verfeuert sich
überdrücklich

gereihte drohungen
ziehen vorbei -
getarnte helden

gegenpole erwachsen
dem inferno
treiben voll eifer
den bruch -
achsmahnung verschlüsselt:
göttliche nacht

ElÄuterungen

Kommentar zum Zeitgeschehen.

Eine niedergestreckte Gestalt windet sich am Boden, einem aus Menschenmassen gebildeten Grund: mit Sprengstoffgürteln versehene, potentielle Selbstmordattentäter. Die lückenhafte Panzerung aus Fünfecken (Pentagon) wirkt wie eine Umklammerung. Das Gehirn des maskierten Wesens wird mittels Inhalator, auf dessen Blasebalg sich die Welt abbildet, beatmet. Dies deutet auf die Tatsache, dass die Wirklichkeit des Menschen geprägt ist durch seine (Um)Welt. Dies führt missbräuchlich sogar zur gezielten Manipulation und Gehirnwäsche. Die zur Faust geballte Hand einer Armprothese zeigt eine Dollarnote. Widerstand durch Bestechung oder vermeintlichen Wohlstand im Keim erstickt. Der Preis ist die Handlungsunfähigkeit, die Prothese. Der andere Arm trägt ein Gewehr, dessen Kolben im vor Wut kochenden, spangengeweiteten und die Zähne zeigenden Mund Stütze findet. Ins Maul gestopft, wie Hamsterzähne, das brennende World Trade Center. Die Komplexität dieser zentralen Figur, gleichermaßen Täter wie Opfer, ermöglicht einen großen Spielraum eigener Interpretationen. Der Ort der Handlung ist der nahe Osten, erkennbar an den Oelraffinerien und den Pyramiden. Die Kultur dieser Länder ist stark durch den Islam geprägt.
In der Luft sind Kampfhandlungen zu beobachten, die Schatten der Stealth-Bomber erscheinen auf dem Menschengrund, Panzerarmeen rücken vor, Waffenarsenale bilden den Rahmen der Handlungen: der entfachte Glaubenskrieg im Namen Allahs und Gottes. Beide Seiten halten die eigene Kultur, die ja vom Glauben geprägt ist, für höherwertig, als die des Anderen. Die Auseinandersetzung kulminiert in der Zündung einer Wasserstoffbombe, dem Symbol einer amoralischen wissenschaftlich-technologischen Entwicklung. Die vom Menschen selbst erschaffene Hölle auf Erden, erzeugt durch Machtwillen, Überheblichkeit und Intoleranz.
Die Illuminatenpyramide, eine Grafik auf der Dollarnote, verbindet Begriffe wie Glaube, Geld, Macht und Verschwörungstheorien miteinander. Der Gewehrlauf deutet in die Richtung des Illuminatenauges und des Atompilzes. Die so gebildete Achse teilt die Bild(Welt) in die zwei antagonistischen Bereiche von gut und böse. Der Protagonist steht seinem eigenen Gegenentwurf gegenüber, seiner eigenen Negation. Beide reflektieren sich im jeweils Anderen, bedingen sich gegenseitig. Das Eine existiert durch das Andere. Als Folge einer dualistischen Denkweise erscheinen uns die Objekte der Welt voneinander getrennt. Dieser Umstand täuscht dem Menschen ein Getrenntsein von seinem Gegenüber vor. Die Überwindung polarer Gegensätze bildet die Voraussetzung für Einheit, Harmonie und Frieden.

 

 

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