Station 11 - SCHATTENHAFT

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Jochen Schweizer Videokunst Lichtinstallation Projektion Kollage Compositing Klang supra-media-art Performance

 

 

Text2

diverse lider flackern lose
in die umgebung
rezeptoren übertragen ihre
erfassten signale

nötigen zur einheit
in zweifachem sinn

der entflammte schnürt eine
verbindung
zum gebälk der illusionen

verlockende ferne
zeigt blöße
wirft augenpaare von sich
und nimmt
enstzunehmenden kontakt auf

wie nah ist saigon
glasmaschinenmensch?



TEXTE

Text1

einige messungen
bringen ein
vorläufiges ergebnis
schnüre zünden
folgende konsequenzen

warnender schatten
beerdigt sich
zwischen täter und opfer
gestattet wechsel
der polaritäten

gezäunte strukturen
begrenzen das
gewahrte ereignis
bilden einen
angenehmen hebepol

endgültiger standpunkt
vom menschen
dürftig verlassen
begibt sich so
in die erblickte raumordnung

ElÄuterungen

Reflexion von Persönlichkeitsstrukturen.

Die im Vordergrund links auftauchende, grün-gläsern wirkende Figur, ist durch Mess-sonden und Kabelsträngen mit einem historischen Ereignis, der Selbstverbrennung eines buddhistischen Mönches aus Protest gegen Diktatur (Saigon 1963), verbunden. Das Feuer lässt die Verkabelung wie Zündschnüre wirken, Flammen treten aus den Augenhöhlen des erstarrten Glasmenschen. Kälte und Desinteresse bilden die eigentlichen Ursachen für die Notwendigkeit spektakulärer Aktionen, die umso schockierender sein müssen, je egoistischer die Menschen sind.
Zwei sich überschneidende Achsen, stellen den Versuch dar, den Konflikt zwischen dieser Erkenntnisstruktur und ihrer Verdrängung, zu meistern. Die erdrückende Verantwortung, als Bildachse Mönch - Kabel - Glasmensch, ist ohne das mitfühlende Kollektiv, also im Alleingang unerträglich, was in einer verzweifelten Flucht in die „Sichvergessenheit“ mündet, als zweite Achse.
Die Frau an dem einen und der Mann am entgegengesetzten Ende, stehen für Trieb und Scheinwelt, in die sich der vom Leidenswahn verfolgte, flüchtet. Doch selbst Sex, Drogen und Traumwelten können ihm keinen Schutz bieten. Wiederum drängt ihn die Gesellschaft aus ihrem behütenden Schoß, indem sie ihm auch diesmal ihr Verständnis versagt. Diese beiden Achsen bilden ein Kreuz, das bereits Jesus zum Verhängnis wurde. Das über dem Kopf des in zweifacher Hinsicht Verbannten (durch Weltflucht und Anprangerung) aufragende Kreuzrippengewölbe eines gotischen Domes, versinnbildlicht eine andere Fluchtmöglichkeit, die sich in der religiösen Ekstase offenbart. Die in diesem architektonischen Kontext als schwebend wahrzunehmende Person, bleibt in ihrer traumhaften Sphäre den Lockungen vom anderen Ende der Achse unerreichbar. Ihre abgehobene Versenkung macht sie blind gegen vorhandene Gefahren -der über dem Kopf drohende Stiefel. Die Entrückung vermag sogar so starke Mächte wie sexuelle Triebe, teilweise zu kompensieren. Trance als Nische für den Wirklichkeits- und Weltemigranten, schützt den Träumer vor der Realität.
Retten können ihn nur die gewaltigen Arme einer übergreifenden Struktur, die über allem sich erhebenden, bedrohlich wirkenden Krankonstruktionen. Die Umzäunung, geflochten aus gewachsenen organischen Strukturen, begrenzt das Feld der Erfahrungen, die Welt. Über die Möglichkeit diese Erfahrungen zu steuern, oder ihnen ausgeliefert zu sein, entscheidet die Position. Nur aus der Über-Sicht eines Erkennenden, lässt sich das Gesammte lenken. Den Weg weist das Erhebende der Flammen, sie sind der ersehnte Aufgang zur Metaebene, während das Traumnetz (Gewölbe) nur eine Falle der Projektionen spinnt, die den Menschen gefangen hält.
Das Feuer repräsentiert nicht nur die profane körperliche Selbstverbrennung, sondern vielmehr ein Licht der Erkenntnis - das Feuer des Prometheus, dessen Fackel das Unbewusste erhellt.

 

 

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