Station 14 - KÖRPERSTEINFURCHE

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Jochen Schweizer Videokunst Lichtinstallation Projektion Kollage Compositing Klang supra-media-art Performance

 

 

Text2

bald morgana
bald mensch
saugen und
beten sich körper
wechselseitig in die
schuldigkeit einer
landschaft ---
die verschlüsselung
erreicht ihren
vorläufigen höhepunkt und
wechselt
den lüsternen code ungestraft

jedoch
droht nicht auch hier
der ruf nach betäubung?



TEXTE

Text1

sog oder seufzer
körper atmen
sich doppelt
konstruierter gefühlssturm
lässt zweifel
durch filter eilen

eine beobachtung
erfolgt auf der ebene
der digitalen öffnungen:
körpersteindurchfurcht

wehe oder wohl
die flammenmaskierung
zeigt wunder
umgebungsraum
fliehende haut
lacht megaphon

einige zeichen
befinden sich im anzug
die bestimmende richtung:
baumarmgedeutet
ziel oder ursprung
die himmelstapete
zeigt ihre scham
leidenstrunken
entschütztes hirn
lallt intravenös

der tausch der informationen
als lockung
das folgende ereignis:
hormongebeutelt

ElÄuterungen

Illusion der Einheit.

Ein entblößter weiblicher Körper, halb Stein, zur Statue stilisiert, halb Fleisch, als Sinnbild der Lust, findet sich neben einer mit einem Schutzanzug versehenen männlichen Gestalt. Beide sind mit Atemmasken vor der Außenwelt geschützt und durch einen Schlauch miteinander verbunden. Die giftigen Ausatmungsgase bilden die Atemluft des jeweils Anderen. Die Partner haben keinen direkten Kontakt zu ihrer Umgebung, der Umwelt. In inniger, dennoch künstlicher Vereinigung, sind sie aufeinander angewiesen, atmen sich gegenseitig. Jeder bildet die Projektionsfläche des Anderen, alle Hoffnungen und Wünsche betreffend. Diese Innigkeit der Verbindung, ein betäubender glückseliger Zustand, macht das Paar zu einem symbiotischen Wesen, die Einheit in der Zweiheit.
Jedoch erweist sich dieser Himmel der komplementären Einheit als unfreies Gebilde der Leidenschaft und verhindert dadurch den Weg der Individuation. Dies ist eine spezielle Form der Abhängigkeitshölle, da es in der Hörigkeitssituation dieser Konstellation zur Ausbildung extremer Machtverhältnisse kommen kann. Die Einheit der Verschmelzung erweist sich dann als Illusion.
Strukturen der Macht erfordern die Akzeptanz der jeweils unterschiedlichen Rollen: Herrscher und Sklave. Im vorliegenden Fall scheinen die Rollen klar:
Der Herr führt die Dame an der Leine, einem Kunststoffseil, welches aufgrund der Beanspruchung bereits mehrfach verknotet werden musste. Ein technisches jedoch unvollkommenes Produkt, welches männlicher Wissenschaft und Logik entstammt. Die Frau wird mit kostbar erscheinendem Schmuck behängt, gerät in ökonomische Abhängigkeit und wird vermeintlich gebändigt. Die animalischen Kräfte, die der Frau innewohnen, repräsentiert durch primitive Tätowierungen sowie ihrem Feuerkopf, lassen sich nicht auf diese Weise bezwingen. Ihre Haut schreit Lust und ihr offener Blick gilt nicht ihrem Herrn, sondern ist auf den Betrachter des Bildes gerichtet. Auf diese Weise beginnt sie nun ihrerseits Macht auf den Partner auszuüben, die Vorzeichen verkehren sich, der Herrscher wird zum Beherrschten, gerät in erotische Abhängigkeit.
Das Verführungsthema wiederholt sich im Hintergrund, im Garten Eden. Die Schlange hat den Baum der Erkenntnis bereits verlassen und schlängelt sich zwischen Adam und Eva, die ihre sexuellen Obsessionen ausleben. Der Ausstoß aus dem Paradies, verdeutlicht durch den aus dem Bildraum weisenden astartigen Arm, signalisiert das Scheitern dieser Beziehungskonstellation. Parallel dazu zeigt der Finger auf ein Diagramm, die schematische Darstellung des Himmels, der in diesem Fall sieben Stufen umfasst (7. Himmel).
Der zweite Arm des Baumes lenkt die Aufmerksamkeit auf eine Waffe, einem phallischen Machtsymbol. Zwischen Gewehrlauf und Fingerzeig formt sich auf der Hintergrundebene aus organischem Gewebe eine Vulva, in der sich ein Gehirn befindet. Ein Zeichen für die Geburt bzw. Kopfgeburt. Sexualität als psychische Konstruktion.

 

 

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