Station 17 - ZIELVISIERUNG

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Jochen Schweizer Videokunst Lichtinstallation Projektion Kollage Compositing Klang supra-media-art Performance

 

 

Text2

ziele sowie deren
anhängsel
im visier der verblendung
automatenkomplott der
schlagkraft
thermoschockgetarnt

sicherheit im
glaslichtzelt
der vorläufigen täuschung
auf sämtlichen
kanälen
das echtweltspiel beginnt



TEXTE

Text1

ein maß wird mit stiefeln erdrückt
und als gefahr deklariert -
sofort wird es vom
nächtlichen himmel
zum mahl gekreuzigt
die metamorgana findet
im rücken statt

die teilnehmer werden
aus eigenen gründen veranlasst
die welt zu filtern
der horizont derweil beschäftigt sich
mit einer produktiven erscheinung
und die verbindende täuschung
sucht sinn

der geist der kalaschnikov
verspricht:
macht den trägern der visionen!

ElÄuterungen

Anfälligkeit für Propaganda und Manipulation.

Verteidigungsbereit, hermetisch abgeschlossen, in einem Kampfanzug mit Gasmaske, flankiert von Kampfgenossen, erscheint ein hochtechnisierter Soldat. Sein Fuß ruht auf einem Sockel, auf dem sich die von da Vinci stammende Illustration zum menschlichen Maß befindet. Die Menschlichkeit wird mit Füßen getreten. Jede kriegerische Auseinandersetzung bildet einen Akt der Unmenschlichkeit.
Die zentrale Figur befindet sich ihrerseits im Visier einer Zieleinrichtung, die den Betrachter des Bildes als Mitspieler offenbart. Wer ist Angreifer, wer Verteidiger? Feindbilder werden von allen gegnerischen Seiten erschaffen, die eigentlichen Ursachen des Konfliktes verschleiert, Interessenslagen verschwiegen. Jeder Soldat befindet sich im Ernstfall in einer hermetisch abgeschotteten Propagandamaschinerie, die die Welt in Gut und Böse teilt. Die Kontrolle der Medien wirkt sich auf ganze Nationen aus. Man selbst befindet sich selbstverständlich bei den Guten, der Feind wird dem Bösen zugerechnet.
Irritierend, die Statusleiste im unteren Bereich: Ist dies nur ein Spiel, oder ein als Spiel getarnter Kampf? Kinder üben sich an computersimulierten Kriegsspielen. Die in den Medien präsentierten Kriegsbilder gleichen dem Design von Computer-spielen.
Die Horizontlinie wird gebildet durch Raffinerien, auf deren Silhouette sich Leiterbahnen zeigen, die Schaltkreise der Macht. Auf der blutroten, vom Widerschein des bomberdurchflügten Himmels erleuchteten Erde, lagern Arsenale von Hightech-Waffen, ein einträgliches Geschäft der materiell überlegenen, zivilisierten Welt.
Der Protagonist hat sich unter einem sicheren Schutzschild verschanzt. Das Schimmern des Schirmes erinnert an bläuliche Fernsehbildbeleuchtung. Wir alle verfolgen unsere Kriege vom sicheren Wohnzimmersessel aus. Hier wird menschlicher Voyerismus bedient, denn die vermittelte Information ist zensiert und dient den Machthabern zur Manipulation der Nation. Die Frage nach der Verantwortung muss sich jeder selbst stellen.
Eine riesige Bombe neben dem Protagonisten, ragt wie ein Phallus in den Himmel. Je gewaltiger, also tödlicher die Bombe, umso größer die Macht. In den meisten Kriegen geht es nicht um Gerechtigkeit, wie uns ihre Antreiber weismachen wollen, sondern um Macht, wobei dem Geld als ein Mittel zur Ausübung von Macht eine wesentliche Rolle zukommt. In einem Krieg gibt es kein gut oder böse, sondern nur nacktes Überleben und Tod. Die von Menschenhand im Wahn errichtete Hölle auf Erden.
Der Titel der Station spielt auf die phonetische Ähnlichkeit mit dem Begriff Zivilisierung an.

 

 

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