Station 18 - TRIEBMASCHINENTRAUM

<<    >>

Jochen Schweizer Videokunst Lichtinstallation Projektion Kollage Compositing Klang supra-media-art Performance

 

 

Text2

gewappnet mit den
attributen der macht
und zu allem bereit

die erhabene erwartet
ihre befleckte empfängnis

und so

geführt vom
getriebe der nacht
und der einsamkeit

ertrinken apparate
im gitterrost der zeit



TEXTE

Text1

unerwartet und kettenbetrieben
die lustsucht
begibt sich in eine
obszöne stellung

weisungen der tunnelröhre
entsetzen verzückt
brennpunktuelle tragwerke -
automatenvernichtung im
kerkerolymp

unerbittlich und suchtraumerlegen
das raumglied
nähert sich seiner
lockenden bestimmung

warnungen im uferbereich
versetzen entzückt
panzergeschirmte erhebungen -
maschinenbesamung im
leidensblutsee

ElÄuterungen

Hölle der Leidenschaft.

Die Triebmaschine Mann, ein gewaltiger, kettengetriebener Baggerautomat, erliegt seiner sexuellen Sucht. Eingezwängt in einem maschinenhaften Körper, der Ohn-Macht nahe, hilflos und entkräftet, zeigt sich sein Kopf in der Maschinenhöhlung. In seinem Auge die pheromonhaltige Giftspritze der triebhaften Lust. Sein Arm ragt entkräftet aus einer seitlichen Öffnung. Sein Glied, montiert auf dem Kranarm des Baggers glüht vor Verlangen. Der maschinell ablaufende Geschlechtsakt wirkt erniedrigend für beide Partner.
Die potentielle Kraft der Maschine kann zur Bedrohung werden. Dieser Gefahr wirkt die mit Schmuck behangene, weibliche Figur, durch Aufbau einer Machtposition, entgegen. Mit überbetontem Brustharnisch, erhaben und stolz, empfängt sie die Penetration. Kalt, unbeteiligt und gefühllos, lässt sie den Mann gewähren.
Aus doppeltem Mund starren Augen, Indiz für die Wirkung der Worte, die sich als Tatsachen sichtbar, in der Welt zeigen. Ihre nach vorn gedrehte Handfläche erscheint rot, das Blut der Schuld. Eine doppelte Geste der Einladung und Ablehnung. Sie beschwert mit ihrem nackten, kühlen und nur partiell erhitztem Körper einen Gitterrost, aus dem sich ihr blutige Hände flehend entgegenstrecken. Im Kerker seines Leides heult der Verstoßene nach seiner Droge.
Das weltbeengende Firmament erweist sich als endlose Tunnelröhre, in deren Fluchtpunkt der Zeugungsakt steht. Warnhinweise baumeln von der Decke. Ein Blutmeer, Ausdruck des Leids, welches aus Triebtaten gespeist wird, brandet an die nasse Strandebene. Schilder warnen vor dem Betreten des Meeres, einer hochexplosiven Mischung von Emotionen. Bojen zeigen Flagge und markieren die Standorte der verflossenen Liebhaber. Die Fahne im Vordergrund steht für das nächste Opfer bereit. Beide Sexualpartner sind Opfer und Täter gleichermaßen, je nach individuell einge-nommenem Standpunkt .
Wie alle Höllen, so ist auch diese selbst verursacht. Die Aspekte der Leidenschaft beinhalten selbstverständlich auch starke, positiv erfahrbare Emotionen, die im Geschlechtsakt kulminieren. Sie können daher zeitweilig auch zum individuellen Himmel werden. Es geht hier nicht um moralische Fragen, sondern um eine umfassendere Sichtweise, die sowohl das Negative, als auch das Positive, wie eine Einheit begreift, die in extremen Erfahrungen als in zwei Pole getrennt erlebt wird.
Der Mensch erschafft sich seine eigene Welt, wie auch immer diese beschaffen sein mag. Er muss den Dualitätsaspekt berücksichtigen und zu ertragen bereit sein, also die volle Verantwortung für Konsequenzen seiner Handlungen übernehmen, anstatt die Schuld für erfahrene Höllen bei Anderen zu suchen.

 

 

zurück zur Übersicht