Station 20 - Pionengesang

<<    >>

Jochen Schweizer Videokunst Lichtinstallation Projektion Kollage Compositing Klang supra-media-art Performance

 

 

Text2

die danksagung an den
froschkopfkönig
bescheinigt dem gratulanten
schizoide züge
sowie
eine offene haut

so wird eine
welt sinnig
und die
kometen kehren getrost
zu ihrer
lieblingsbeschäftigung zurück
jedoch
lauscht nicht auch ihr dem
schmeichelnden ruf
der schneckensherrschaft ?



TEXTE

Text1

die den kopf fliehende zunge
umkreischt geflügelte worte
einige augenhalterungen
geben erschreckend
ihren geist auf
einen kreis halb beschreibend
und pheromonal:
konstruierter geruch
springt ruckartig
in eine neue umlaufbahn

fundamente erzittern angesichts
handgreiflicher steuerungen
antiprotonen erzeugen
zu kleinen teilen
einen nullraum
pionengesanghell
und nicht ohne geist:
das nächtliche firmament
bezeugt meta-
plasmatische existenz

schleichend
entzieht dem ohr
der entsetzensschrei
der kollisionen
seine eisige zuneigung

ElÄuterungen

Gratwanderung zwischen Irrsinn und Erkenntnis.

Ein Frosch, das Amphibienwesen, welches in seiner Entwicklung vom Ei zum Frosch seinen ursprünglichen Lebensraum, das Wasser, verlässt, um einen neuen Raum, die Erde, für sich zu erschließen, bildet den oberen Teil eines vor Panik wild umherblickenden Kopfes. Der evolutionäre Prozess, der hier angesprochen wird, findet seine Analogie in der Entwicklung des menschlichen Geistes. Gedanken, Ängste, Vorstellungen und innere Bilder formen eine Realität, die manchmal zu absurd erscheint, um sie zu akzeptieren. Potentiell ist unser Gehirn in der Lage, uns in den Abgrund zu führen, bietet aber auch die Möglichkeit völlig neue Wege zu beschreiten, indem es an Erkenntnis gewinnt.
Der ambivalenten Haltung gegenüber der Realität entsprechen folgende Fragen:
Ist der Kopf Teil des Frosches, oder ist der Frosch ein Teil des Menschen? Ist der Frosch eine Obsession? Oder denkt der Frosch den Menschen? Wer ist Träumer, wer Geträumter?
Ein weiterer Aspekt tritt in Form der Fernbedienung in Augenschein. Auf dem Display erscheinen unter anderem die Lebensrestdauer, ein genetischer Code, sowie ein Gehirn. Ein Text signalisiert die Erzeugung von Raum. In Zusammenhang mit der Lebensrestdauer weist dies auf die enge Beziehung zwischen Raum und Zeit hin, eine Anspielung auf Einsteins Raumzeitkontinuum und damit auf die Unvorstellbarkeit einer wie auch immer gearteten, außerhalb von uns existierenden Realität. Die Fernbedienung steht offensichtlich mit dem Kartenchip im Nachthimmel in Kontakt. Bedient wird sie durch die „göttlichen“ Hände, das Unerklärliche, oder auch die dem Unbewussten entstammenden Antriebsmechanismen. Auf der Verbindungsachse zwischen Sender und Empfänger: das entsetzte Auge des Erkennens.
Sind wir Opfer einer göttlichen Verschwörung, die unser Gehirn zur Automatenfunktion degradiert, einem Superdeterminismus? Oder werden wir manipuliert durch extra-terrestrische Programmierung? Haben wir einen freien Willen oder nicht?
Die Blasenkammeraufnahme von Pionen, die sich über den Himmel ausbreitet, verweist auf die Quantenphysik. Die Kopenhagener Deutung der Quantenphysik besagt, dass es unmöglich sei, Modelle der Realität zu konstruieren, die die Wirklichkeit vollständig beschreiben.
Die halbkreisförmige Konstruktionszeichnung, die planetengleich den Mittelpunkt des Systems, ein Auge, umrundet, gelangt durch das Nasenloch in das Zentrum des Kopfes. Dem Ohr entschleicht eine Schnecke. Unsere Sinne konstruieren die menschliche Realität, die Erfahrung. Geflügelte Worte in Gestalt eines Insekts, verlassen die Lippen; die Welt existiert für uns als Beschreibung, welche nötigenfalls den Fröschen in unseren Köpfen als Nahrung dient.
Botschaften (Wahrheiten) werden empfangen und weitergegeben, beeinflussen das gesamte System und werden vom Gesamtsystem beeinflusst. Die Welterfahrung als Interpretation kommunikativer Prozesse.

 

 

zurück zur Übersicht