Station 23 - RÜCKSCHRITTSGESUCH

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Jochen Schweizer Videokunst Lichtinstallation Projektion Kollage Compositing Klang supra-media-art Performance

 

 

Text2

sorgloses vergnügen
der scheidungsbewohner

vor der entstehung der welt

reflexionslos gefangen
in der eigenen lust

an der daseinsform

ziele und deren folgen
im bezirk der attraktoren

das dramenspiel beginnt



TEXTE

Text1

fast entschlossen
spiegelblickend und feurig
der achtsame wärter
durchkreuzt einen schritt

das gewissen erwägt
den besitzer
und spaltet sich
in zweifacher weise

sehend die sonne
im zentrum und wissend
das deklarierte motiv
der schnittmusterpfade

der boden bezeugt
seine mühsal
und erstarrt
zu tröstender verzweiflung

spontan erleuchtet
das wissen und luftig
die ersehnten stufen
der wesensverdunstung

im zustand
der entscheidung
erwarten märtyrer
ihre geschichte

ElÄuterungen

Geburt, Paradies und Himmel.

Menschen, in engen Röhren steckend, die gleichermaßen phallisch wie vaginal anmuten, erwarten ihre Geburt. Freude, Hoffnung, und Glück, aber auch Kummer, Schrecken und Irrsinn erwartet die embryonenhaften Wesen in ihrem Leben. Der göttliche Plan, die Schnittmusterpfade des Hintergrundes, eröffnet unendlich viele Möglichkeiten. Die Haltung des Geistes bestimmt die zukünftigen Erfahrungen.
Einige Wesen sind bereits geboren und beginnen im Schweiße ihres Angesichtes zu arbeiten, den Lebenskampf aufzunehmen. Ungeborenen, wünschenswerten Aspekten der Psyche gilt es, trotz Widerstände, zur Geburt zu verhelfen. Die tatkräftigen Hände, die die Schnittmusterpfade entwirren, zeigen die Bedeutsamkeit und Eigenständigkeit des Handelns im menschlichen Dasein.
Vor der Geburt liegt das Paradies, das Einssein, welches durch die Entwicklung des Bewusstseins nicht wieder zu betreten ist. Der Cherubim hält Wache vor dem Drehkreuzbereich des Garten Edens und verwehrt mit seinem Flammenschwert (Licht = Bewusstsein) dem Einlass begehrenden Protagonisten den Zutritt.
Die Szene stellt parallel dazu aber auch den Himmel dar. Das Totengericht findet in Form einer Wägung statt. Der Ankömmling wird durch sich selbst, seinem eigenen Gewissen beurteilt. Der Richter auf der Waage, ist direkt mit dem Auge Gottes verbunden. Wie auf einem Radarschirm zeigt sich die Leuchtspur des gelebten Lebens.
Dieser Schauplatz der Trennung des Menschen vom absoluten und ewigen Glück, sowie die Unmöglichkeit diesen Bereich im Leben zu betreten, lässt das Leben manchmal als Hölle erscheinen. Auf dem Boden, gebildet durch das Turiner Leichentuch, findet sich das Herz Jesu. Ein möglicher Schlüssel auf dem Weg zum Himmel.
Eine andere Auslegung, macht den Zwang zum Leben und die Vorbestimmung durch den göttlichen Plan sichtbar. Die Wege des Menschen sind demnach determiniert und er wird gezwungen, seinen von Gott bestimmten Weg zu gehen. Die Hände Gottes zeichnen den Pfad in einer Art Schnittmusterleben vor. Hoffnungslos ist der Mensch hier einer höheren Macht unterworfen. Der freie Wille existiert nicht. Es steht dem Menschen nur die ohnmächtige Fügung in sein Schicksal zu Gebote. Erst wenn er sich vollkommen in die Hände Gottes legt, ist das höchste Glück erfahrbar.
Welcher Interpretation man man auch folgen mag, Selbstverantwortlichkeit oder Fremdbestimmung bildenl etztendlich Überlebensstrategien, um das Unerklärliche des Daseins erträglich zu machen.

 

 

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