Station 25 - MACHTBEKENNTNIS

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Jochen Schweizer Videokunst Lichtinstallation Projektion Kollage Compositing Klang supra-media-art Performance

 

 

Text2

macht bewirkt anstieg-
erregt einen druckpunkt-
und lässt
verzweiflungstaten geschehen –

mechanischer fortschritt-
verkündet den tatdrang-
erfasst
vom auge der welt

revolution fingert im kopf statt-



TEXTE

Text1

furchen des erprobten leids
eingehalten
durch das kreuz der arme

zurücktretendes antlitz
lässt augenblicke
unterschiedlich resignieren

es triumphieren amöben im chor

krönende verbindung
in zentraler lage
handhabung in schuld

flüssigkeitsumspülter körper
erwartet kühlung
siedepunktgenau

chemische intuitionen inbegriffen

ElÄuterungen

Kritik an der abendländischen Geisteshaltung.

Der resigniert scheinende Mensch erblickt die Schöpfung seiner Geisteshaltung. Aus einem Auge sprießen die sich überkreuzenden, verdorrten Zweige des Baumes der Erkenntnis, das Bewusstsein. Der Nase lang, erstrecken sich die ebenfalls gekreuzten Arme, Sinnbild des fassenden Begreifens. Sein Verstehen ist gespalten in die Bereiche des unmittelbaren Erlebens und des denkenden Erkennens. Das zweite Auge, eingefasst in eine steinartige Struktur, stiert träumerisch in eine visionäre Ferne und blickt dabei den Betrachter direkt an. Das Gehirn wird von begreifenden Händen durchwühlt, man zerbricht sich den Kopf bei der Suche nach dem Sitz des Geistes und der Seele. Die Trennung zwischen Geist und Materie und die nachfolgende Favorisierung einer mechanistisch- materiellen Sichtweise, zeigt sich auch am Bild des Penis, dessen Macht nur künstlich-maschinell, durch einen Roboterarm, aufrechterhalten werden kann. Die Krone als Herrschersymbol wurde ihm aufgesetzt, er steht für die Zeugung der Schöpfung, welche sich in Form von Trieben manifestiert. Die Macht wurde den Trieben verliehen und die Triebe wurden zu Machtmitteln. Unsere Form der historisch-geistigen Entwicklung ist durch den (Macht)Trieb beherrscht, erhebt ihn zur richtungweisenden Fiktion.
Die abendländischen Erkenntnisse führten zur Betonung eines speziellen Ausschnittes aus dem Gesamtpotential der Wirklichkeit und wir versuchen mit aller Macht, diese begrenzte Sichtweise allen Völkern der Erde aufzuzwängen. Dies kommt einer Vergewaltigung gleich.
Die enge Gasse, mit der eingepferchten, gegängelten, aufgebrachten Menschenmenge, flankiert von Wohnhäusern, den Gedankengebäuden, den von unserer Erkenntnis initiierten Ideen, zeugt von unserem Rahmen, den wir der Welt verpassen und der die Richtung der Menschheit bestimmt. Ein Rückzug wird durch Überwachungsorgane vereitelt: eine Wand von Messgeräten und Anzeigeinstrumenten türmt sich im Hintergrund. Die Masse muss dem als Führer dienenden, jedoch unglücklichen Ideal folgen, dem Götzen der Vernunft. Auch die das Bild zerfurchenden, ausgetretenen Wege der Schnittmusterpfade machen deutlich: Wir bestimmen zuerst, was entstehen soll und nach diesem Plan wird dann die Welt geformt.
Das Gefühl des Menschen erreicht langsam im Außen seinen Eispunkt, während es im Innern kocht: Der innere Druck kann nur für eine bestimmte Zeit unterdrückt werden, bevor er sich gewaltsam nach Außen entlädt.

 

 

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