Station 26 - TIEFENRAUSCH

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Jochen Schweizer Videokunst Lichtinstallation Projektion Kollage Compositing Klang supra-media-art Performance

 

 

Text2

fernerfolg der brüste
ermöglicht leuchtendes entzücken
weltloser kopf
schafft glauben -
auf papierwerten thronend

anhäufung von leben
bewirkt schattenorganzwang
materieverhärtung
als nachspiel -
am weltgarten gespiegelt

feuerstrahl der ansicht
errichtet sichernden kerker
kontrastmittelblick
lockt trennung –
den gegensatz zeugend



TEXTE

Text1

die justierung der weltempfänger
reine formsache -
gestimmt heuchelt
die verführung harmonie

gleichgeschaltet unter gleichen
die baumkrone -
bestechende ablenkung
vom pulsraubenden tier

der wägende erzfeindengel
verspricht abwehr -
glaubhafter dolchstoß
für dämonetäre gier

nachtsichtkonstruktionen
schweissender blick -
baut schutzgefängnis
der weltangstkultur

die bilanz des träumers
erfolgt prompt -
einengung schafft
raum
es schrumpft die zeit

ElÄuterungen

Die Einheit zerfällt in die Vielfalt.

Das Tor, das den Garten Eden vom gewöhnlichen Dasein trennt, erscheint wie eine Konstruktion der menschlichen Psyche, die die einheitliche Welt künstlich in verschiedene Bereiche kategorisiert. Zwei engelhafte Wesen davor, die Metapher der in ihre Pole zerfallenden Einheit, verdeutlichen duale Aspekte der Welt. Während der dunkel erscheinende Engel, das Mal des Paradiestores im Antlitz, voller Ergebenheit die Überwindung der Materie (brennender Geldschein) anstrebt, zeigt der durch sein weißes Kleid Reinheit und Unschuld suggerierende Engel des Glanzes, moralische Verfallserscheinungen. Als (Kerzen)Lichtträger (Luzifer) bildet er den Gegenpol zum ersten Engel. Gut und Böse sind Kategorien menschlichen Geistes und die gegenseitige Bedingtheit, ist nur durch die umfassendere Einheit jenseits von Gut und Böse zu überwinden.
Der Sehstrahl des Protagonisten, durch eine Filterapparatur gelenkt, trifft auf den Türklopfer, einem Symbol der Unität von Gott und Teufel. Der Mensch konstruiert durch seine Sicht die Geschöpfe der menschlichen Psyche in der Außenwelt. Der entweder verbindende oder trennende Laserblick, ist in der Lage, das Tor sowohl zu errichten, als auch zu zerstören.
Seitlich des Sehenden die Anima, bedeckt mit einem Kleid aus Fleisch, welches für die gebrachten Opfer steht. Rechts die Verführungen des Lebens: Lust (Kniende Hühnerfrau) und Macht (Löwe), sowie eine Person, die beide Aspekte in sich vereinigt und um den Gesichtspunkt der Materialität (Detail der Dollarnote) erweitert.
Das unbeachtete violette Herz, im Mittelpunkt des am Boden befindlichen Labyrinthes, wird beinahe mit Füßen getreten. Es bildet den Schnittpunkt der Feuerlinien, der sich aus der Verlängerung von Kerze und Geldscheinflamme ergibt. Über dem Protagonisten schwebt der Erzengel Michael, das Gewissen verkörpernd. Bedroht wird es von einem reptilienartigen Wesen auf dem Paradiestor, dem Schatten, dem dunklen Teil der menschlichen Psyche.
Der Baum des Lebens wird gekrönt und eingeengt durch eine Krone, deren Rubine das Blut und das Leben darstellen. An seinem Fuße der Flügel, Synonym für das Gefühl, dem Gegensatz des Logos. Im Hintergrund der Wald des Unbewussten, aus dem diese Szene hervorgegangen ist. Radioskalen deuten auf die Möglichkeit Signale aus diesem Bereich zu empfangen.
Der Protagonist ist hier kein unbeteiligter Zuschauer mehr, sondern selbst aktiv in die Gegebenheiten eingebunden. Die Grenze zwischen ihm und den beobachteten Höllenräumen verwischt.

 

 

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