Station 27 - KAMPFBEREITSCHAFT

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Jochen Schweizer Videokunst Lichtinstallation Projektion Kollage Compositing Klang supra-media-art Performance

 

 

Text2

auf krieg programmiert
spiegelt der mensch
sein gegenbild
dämon seiner struktur

festumklammert
amphibische aktivitäten
und die nächtlichen
ströme entflammen die welt

kulissengleich
das weltenspiel
während das bollwerk
der überzeugung sich opfert

zuckerstäbchenfiltrat
kindlicher phantasie
platinenhaft bestückt
mit tastsinnigen organen

anflugkörper
ergreifen bilder
waisen der seele
und meister der verlarvung



TEXTE

Text1

In 2-facher weise und
nicht ohne ziel:
der zwilling erscheint
auf der weltenbühne

botschaften werden registriert
und konstruktionen der macht
hastig verrichtet

die kriegsgötter toben
doch es erstrahlt die welt
in altem licht neu

ein leben erzittert
dank sehender wut
spiegelblicklich
die symmetrie

titanenverzweiflung
am rande
der nacht





ElÄuterungen

Kampf mit dem Selbst

Flammen schlagen empor. Zeichen von Vernichtung, Auseinandersetzung und Kampf. Sie erhellen die Umgebung. Wie ein Held thront der Kopf des Menschen über der Szene. Geschlagen findet sich der Gegner, die unerwünschte Seite der Seele am Boden. Der Frosch, Sinnbild der tierischen Instinkte, klammert den Kopf des Menschen fest zwischen seinen Klauen und zeigt ihm sein Spiegelbild. Das sichtbare Ohr wird zugehalten um die Beeinflussung durch Worte zu verhindern. Der Mensch sieht sein Selbst, welches als zweigeteilte, zerrissene Persönlichkeit erscheint und muss erkennen, dass der als geschlagen vermutete innere Dämon, als Teil seiner eigenen Seele, immer wieder in ihm auftaucht, sooft er ihn auch zu besiegen glaubt.
Spuren elektronischer Leiterbahnen finden sich sowohl auf dem Spiegel, als auch auf dem Kopf und der Hand des Besiegten. Wir können nur die Strukturen unserer Psyche und der Welt sehen und erkennen, die sich in unserem Geist befinden. Der verschaltete Kopf deckt die von uns durch Erfahrung, Übernahme und Disposition gelegten Bahnen auf, in denen wir uns bewegen. Sie sind zementiert durch unsere persönliche Welterfahrung, die uns zu einer bestimmten Weltanschauung verführte. Diese Weltanschauung aber, unsere psychische Haltung, die Leiterbahnen, gaukelt uns eine bestimmte Welt vor. Unsere geschalteten, meist unbewussten Erwartungen finden in der Aussenwelt ihre Bestätigung und werden so zur Realität. Ein Teufelskreis.
Unsere Sinne, die Antennen, leiten eine ungeheure Flut von Daten der Außenwelt an unser Gehirn. Hier muß gefiltert, sortiert und verworfen werden, um nicht im Chaos zu versinken. Den Daten werden Bedeutungen zugemessen und das Bewusstsein registriert das Ergebnis dieser Operationen. Unsere individuelle Welt entsteht.
Wie als Kulisse einer Theaterbühne erscheint eine Rummelplatzszene, Reminiszenzen der Kindheit, die auf wesentliche Sinnverschaltungen in frühester Zeit deuten. Das (Gedanken)Gebäude ist direkt mit dem Fühler der Außenwelt verbunden, einer Antenne. Signale werden nicht nur von dort, sondern auch als verschlüsselte Funksignale anderer Menschen, die ebenfalls unsere Weltfindung beeinflussen, empfangen.
Der Nachtfalter, hier ein Symbol des Todes, nimmt das Bild des Besiegten in sich auf, um dem Sieger diesen Kokon zu übergeben. Dort kann die Larve wieder zu ihrer ursprünglichen Form zurückfinden.

 

 

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