Station 29 - WELLENMATERIE

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Jochen Schweizer Videokunst Lichtinstallation Projektion Kollage Compositing Klang supra-media-art Performance

 

 

Text2

das schwerfeld eilt hastig
pheromonringen entgegen
und wittert die ankunft
der himmelsvorstellung

laborversuche scheitern-
das gebäude:
erschüttert
ein schloss zerfällt
an den flügeln zu luft

schaltbildgesteuert
und zum wohle der menschheit:
die himmelsanbeterin
gibt sich die ehre

an die physiker
ein erlauchtes Geschenk:
der geträumte ring „i“




TEXTE

Text1

endlich,wenn die
erdbewohner schlafen
gesellt sich das
gespinstwesen
zu den metawelten
der reisenden

sterne gehorchen
und ordnen ihre
nächtliche struktur

gereizte unwesen
die irrlichtigen schatten
setzen botschaften
auf überdachte erde
verzückt erblickt
der experimentator
die wünsche der lebenden

luftvibration erregt
aufsehen
die wesenskonzentration
gestattet:
supraleitung

es tendiert ein potential
den eintritt ins sein
brandungsrückschlag
gedoppelt

ElÄuterungen

Ununterscheidbarkeit von Traum und Wirklichkeit.

Ein auf einem Schlosshof erscheinendes riesiges, insektenhaftes Traumwesen, steht in engen Kontakt mit dem Nachthimmel, der durch Schaltdiagramme, sowie Elementarteilchenwechselwirkungen strukturiert wird. Das Wissen um die fundamentalen Zusammenhänge der Naturgesetze und seine Verbindung mit ihnen, stilisiert es zum Gott. Adlerköpfige Wächter flankieren es, unangreifbar und erhaben scheint es die Symphonie der Schöpfung zu dirigieren. Das Rückgrat des Wesens bildet die von Heisenberg vorgeschlagene Weltformel, eine mathematische Erfassung der Materiestruktur. Im Brustbereich findet sich das Fruchtbarkeitsidol der Venus von Willendorf, die frühzeitliche Auffassung der Einheit der Natur repräsentierend. Das göttergleiche, geflügelte Traumwesen hinterlässt ringartige, kostbare Geschenke, ein Hinweis auf den Ring „i“, Wolfgang Paulis Traumerkenntnis über das Problem zur Harmonisierung der Quantenphysik.
Der Schlosshofboden wird, als Anspielung auf die Abhängigkeit, Bedingtheit und Verbundenheit der Wesen der Erde, durch Leiterbahnen einer Computerplatine gebildet. Die Strukturen von Himmel und Erde, sowie dem Raum dazwischen, sind gekennzeichnet durch Informationsaustausch bzw. Wechselwirkungen, einem grundlegenden Prinzip der Wirklichkeit. Auf den zentralen Schaltkreisen des Himmels fin-det sich die Aufschrift ICH, BIN und DAS, Verweis auf die in den östlichen Philosophien vorherrschende Erkenntnis der Einheit von Innen- und Außenwelt.
Vorne rechts vor der Schlossmauer, betrachten drei dämonen-hafte Unwesen, die Schrecken des Unbewussten, ein verdoppeltes violettleuchtendes Pentagramm, dem magischen Symbol für die Beherrschung der Elemente durch den Geist. Sie repräsentieren die magische Welt der „unteren“ Hirnregionen, die bis heute in uns wirken.
Den Pfeiler links ziert ein von C. G. Jung erschaffenes Steinrelief, auf welchem im Zentrum, wie eine Pupille, der Telesphoros des Aeskulap zu sehen ist. Der griechische Text lautet (Auszug): "Dies ist Telesphoros, der durch die dunkeln Regionen dieses Kosmos wandert und wie ein Stern aus der Tiefe aufleuchtet. Er weist den Weg zu den Toren der Sonne und zum Land der Träume."
Mit verzücktem, glasigem Blick sitzt vor dem Pfeiler eine Person. Sie inhaliert Rauch mittels einer merkwürdigen Rauchapparatur, die auf einem mit dem Hinweis Labor bezeichneten Tisch steht. Ist der Raucher Teil des Traumes, oder träumt er im Rausch die vorliegende Szene? Sind Halluzinationen Hirngespinste, oder sensibilisiert die Droge den Benutzer für andere Wirklichkeiten?
Die einem Devotionalienhandel entstammende geweihte Schutzmedaille, Wallfahrtsouvenier mit einem Stoßgebet der Sr. Caterina an die heilige Jungfrau Maria, ist seitlich am Experimentiertisch angebracht. Dies zeigt die weite Verbreitung mystischen Glaubens in einer vornehmlich materialistischen Welt. Ein Irrationalitätsgebäude welches wirkt und demnach Teil der Wirklichkeit ist.

 

 

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