Station 30 - GEFÜHLSVERNERVUNG

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Jochen Schweizer Videokunst Lichtinstallation Projektion Kollage Compositing Klang supra-media-art Performance

 

 

Text2

hypothetisches bild
erlebt die heimkehr
der kraft

erteilt dem
abstrichcode des lebens
seinen biss

gezwängte blindheit
verspürt ein gefühl
der enge

dampft
himmelwärts drei stufen
in den tod

grinsend und schlafend erwartet das volk
das schicksal der verzückung




TEXTE

Text1

herausforderung illuminiert
ungewollt den himmel
ein unweg lockt
erfolgsstufen lose
zur besinnung

der sehkraft beraubt
vernervt sich der mensch
mit seinem gefühl
sowie den säulen der nacht

fundamentale chancen
kristallisieren
in versorgten räumen
die erwählte -
gesockelt in eis

es schweigt das ortungssystem
unter abgedecktem dach
damit wille geschehe

ElÄuterungen

Trotz Blindheit und Eingeschränktheit, Entwicklung neuer Realitätsmodelle.

Eingezwängt, in einem begrenzten Raum, dessen Fries von Gesetzessymbolen zerfressen wirkt, hockt ein Mensch mit verbundenem Kopf. Durch seine eingeschränkte Sichtweise dazu genötigt, erforscht er seine Umgebung mit dem Gefühl, die Hand auf das Herz gelegt. Nackt, schutzlos und blind, beschirmt durch ein beengendes Gefängnis, entsteht in seiner Vorstellung ein intuitives Bild der Welt, deren Struktur die Inhalte seiner Psyche widerspiegeln. Der Mensch sucht im Chaos nach Sinn.
Die Zahnhöhle markiert den Tod, der durch eine Energiebrücke mit dem Menschenkopf verbunden ist. Der Verstand weiß um die Endlichkeit des Lebens. Das Modell der Welt muss diesen Aspekt berücksichtigen. Der Code des Universums liegt vor in verschlüsselter Form und befindet sich in der Nähe des Todes.
Kokonartige Wesen, die Ideen, entschlüpfen dem Boden der Phantasie. Sie werden umsorgt von mythischen Figuren. Die Mythen bilden einen Teil der Psyche und sind beteiligt am Strukturierungsprozess der Ideen zum Ordnen des Chaos. Eine in Eis gelegte Idee, der Sockel für das thronende Sonnenrad, findet die Aufmerksamkeit des Herzstromes. Die Weiterentwicklung dieser Idee und ihre Umsetzung, ihre Manifestation erfordert Kraft. Die Menschheitsgeschichte ist gehäuft mit Beispielen von Visionen, an deren Verwirklichung Generationen von Menschen beteiligt waren. Mit ungeheurem Energieaufwand und trotz heftiger Rückschläge, wird an der Verwirklichung eines einmal gefassten Zieles gearbeitet. Ein Beispiel der jüngeren Geschichte ist in der Szene dargestellt: Die Challenger-Katastrophe.
Auf den Säulen der individuellen Moral, die ägyptische Darstellung des Totengerichts, wie auch auf den Säulen der wissenschaftlichen Erkenntnis, markiert durch ein Werk der Technik, einem Ortungsgerät, wird ein Traum der Menschheit, der Flug ins All, verwirklicht. Opfer auf dem Altar des Fortschritts werden hingenommen.
Der Begriff der Individualmoral bedarf der näheren Erläuterung: Abhängig vom jeweiligen Moralbegriff können Handlungen auf den ersten Blick unmoralisch erscheinen. Jeder Einzelne aber muss sie vor sich selbst rechtfertigen. Ist er dazu nicht in der Lage, bestraft er sich selbst, indem sein Unbewusstes eine ihm gemäße Welt erzeugt, eine Welt die seinen Auffassungen entspricht. Ein Spiegel seiner Seele. Das Gesetz der ausgleichenden Gerechtigkeit, oder wie die Buddhisten sagen: Karma.
Stufen führen von der Säulenreihe, deren Bedachung bereits bröckelt, weit hinauf, bis in die Katastrophe. Trotz Blindheit und ohne die Funktionsweise der Wirklichkeit genau zu kennen, wagt der Mensch sich vor, bis an die Grenzen seiner Welt. Mit einem Ziel vor Augen sowie Visionen, die auf Erfahrungen aufbauen, könnte die Menschheit, alles erreichen, sogar das Paradies auf Erden.

 

 

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