Station 31 - ROTMORGEN

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Jochen Schweizer Videokunst Lichtinstallation Projektion Kollage Compositing Klang supra-media-art Performance

 

 

Text2

dreifach gesenktes augenschiff
erzwingt die landung
voll macht

nadelspitze zweifel
eine meßbare polung
untermauert ergeben ihre beweisbarkeit
sowie logische dominanz

mustergereite handlung
erfühlt vermischung
im roten bereich

feuerrote zeichen
das gebrannte gesetz
tarnt heimlich den rücken der nacht
wie auch den täglichen bauch

lebensgeweihte verästung
welten ersinnend
erwartet den funkelnden schlag





TEXTE

Text1

stummer morgen
trägt
in der wurzel
aus vernunft
eine maske -

vermutung
verrät
das handelnde
gesetz

das rot
wird entschieden
sich
in den sog
des netzes
zu begeben

der knüppelbeinantrieb
triumphiert





ElÄuterungen

Offenbarung der göttlichen Macht.

Vier dreiarmige Objekte, teils Flugkörper, teils göttliche Wesen, nähern sich aus den Tiefen des labyrinthischen Universums dem Erdboden. Jedes ist mit 25 Augen bestückt. (Die Gesamtsumme von 100 Augen erinnert an die 100 Gesänge der göttlichen Komödie, aber auch an die 100 Augen des Argos, die niemals schliefen, um die von Zeus in eine weiße Kuh verwandelte Prinzessin Jo zu bewachen).
Ein Objekt setzt bereits zur Landung an. Seine Arme, freie Valenzen eines molekular anmutenden Gefüges, deuten auf einen Maskierten, verborgen hinter Stacheldraht, auf den Knüppelbeinantrieb, als Zeichen der Tatkraft, sowie auf den Geweiharm eines roten, durch Gesetze gezeichneten Menschenkindes.
Innerhalb des verbotenen Terrains, befinden sich zwei Messgeräte, mit gegensätzlichen Messbereichen. Zusammen sind sie in der Lage die gesamte Spannweite der Welt zu ermessen, um so die Überwindung der Polarität zur Ganzheit zu führen. Gelagerte Giftfässer, zeigen die Verantwortlichkeit des Menschen gegenüber der Welt, der er nicht entfliehen kann, und die zu ertragen er genötigt wird, notfalls unter Schutzanzug und Gasmaske. Drei Gebilde ragen wie Grabsteine aus dem eisernen Boden, Denkmäler der Endlichkeit menschlichen Lebens.
Die Antriebskraft, der Überlebenswille wird notwendig, um die Probleme des Überlebens zu bewältigen. Sie entsteht in der psychischen Ursuppe, in der auch die Augenschiffe ihren Ursprung finden und spiegelt sich als Gesetzmäßigkeit auf der Schädel-decke des Kindes.
In Anlehnung an einen Teil von Michelangelos Deckengemälde der sixtinischen Kapelle: „Die Erschaffung Adams“, deutet die Verbindung zwischen Finger und Geweih auf den göttlichen Funken, der das Leben im Rahmen der Gesetze ermöglicht. Das Geweih verletzt den göttlichen Arm und wird dadurch aus seiner Verankerung mit dem Körper gerissen.
Die Tatsache der Möglichkeit der Existenz Gottes, kann als Indiz für seine Anwesen-heit verstanden werden. Da die letzten Rätsel über die Beschaffenheit der Welt nie gelöst werden können, sind immer nur Modelle der Realität möglich. Dies aber ist Glaube. Der Mensch ist demnach gezwungen zu glauben. Gott wird somit zum Symbol für das Unfassbare, Unerklärliche und Unverständliche.
Der Glaube an übergeordnete, wohlwollende, positive Kräfte wird hier als Möglichkeit zur Bewältigung des Daseins aufgezeigt, als gangbarer Weg durch die Wirrnisse des Lebenslabyrinthes.

 

 

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