Station 32 - RAUMFREIGABE

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Jochen Schweizer Videokunst Lichtinstallation Projektion Kollage Compositing Klang supra-media-art Performance

 

 

Text2

:unausweichliches bebrillt den besucher:
:erschafft ein neues gesetz:
:der wartung gemäß entwickeln sich dinge:
:lass aus den trümmern der sicht:
:lebenshäuser werden:
:erschreit sich der geblendete:
:die welt:





TEXTE

Text1

worte werden von kräften
aus verlernter zeit
gezogen
und so
erscheint die
durch raumfreigabe
ermöglichte göttin
morgana
ihre flammenfedern sorgen
in entfernten windungen
für schmerzenseis
ihr haupt ist bedeckt durch
den atmenden schmuck

sie ist die sehnsuchtsgeburt

ihr gefühlsgift navigiert
den blick

sie spendet dem leben
die kraft
um danach
vom feuer verborgen
den lebenstraum zu entziehen

ElÄuterungen

Kraft des weiblichen Prinzips: Prima materia, die lebensgebärende Kraft.

Im Nachthimmel über dem Meer, einem Symbol des Unbewussten, erscheint eine flammende, vierarmige, weibliche Nachtfalterfigur. Sie ist das Sinnbild der mütterlichen Kraft, strahlend erhellt sie den gesamten Kosmos. Auf ihrem fruchtbaren Leib gebiert sich eine Kopie ihrer selbst, Unsterblichkeit verheißend und damit zur Göttin stilisiert. Parallel dazu ist dies ein Hinweis auf den Ausspruch Hermes Trismegistos: „Siehe, das Oberste vom Untersten und das Unterste vom Obersten; ein Werk der Wunder von einem Einzigen.“
Ihre Brüste nähren elektrisch, sowie über biologisch-chemische Prozesse gewandelt, den Blick ihres Kopfschmuckes, den Menschen.
Auf der individuellen Ebene wird hier die Bedeutung der Mutter, die auch heute noch die Haupterziehungslast trägt, für die Sicht- und Verhaltensweisen des Nachwuchses hervorgehoben. Die metaphysische Ebene, gekennzeichnet durch die nährende, liebende Macht, wird bestimmt durch die lebensspendende Energie, die in allem Lebendigen wirkt. Die Form der Energiekanäle erinnert an ein Ahornblatt, Hinweis auf das biologische Leben allgemein.
Die symbolischen Diagramme oben links und rechts zitieren die Sonne, mit einer Blume im Zentrum als Lebensenergiespender, und das mit einem Herz versehenen Labyrinth, als Lebensweg des Herzens, der Liebe. Im Hintergrund ist eine kabbalistische Darstellung des Lebensenergiegeflechts zu erkennen, mit dem Hinweis auf den Erwartungshorizont, der nur das zulässt, was sich im Rahmen der bewussten und unbewussten Erwartungen, Hoffnungen, Befürchtungen und Wünsche befindet.
In den Ruinen eines Hauses, die auf die destruktiven Aspekte der Lebensenergie verweisen, befindet sich ein Säugling. Die Natur zerstört und gebiert und lässt auf den Trümmern der Welt neues Leben entstehen. Das Baby trägt eine Brille, ironisches Zeichen für die Unmöglichkeit die Welt vollständig intellektuell bzw. rational erfassen zu können.
Die Doppelarmigkeit des Protagonisten, der mit beiden Füßen knöcheltief in einem Wasserweg steht und das Schauspiel am Himmel betrachtet, deutet auf seine Verwandtschaft mit der mehrarmigen Gottheit. Die Götter entsprechen zu allen Zeiten dem Seelenzustand der Menschen und entstehen als Projektionen seines Geistes.

 

 

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