Station 33 - WARTEKARMA

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Jochen Schweizer Videokunst Lichtinstallation Projektion Kollage Compositing Klang supra-media-art Performance

 

 

Text2

enttäuscht über
verblichene bemühungen
richtet die lust
ihre gedanken:
das werk erreicht
eine tragende bedeutung

indem es
eine vorstellung entwickelt
zwingt sich das potential
in die welt:
gesetzte wahrheit
im filter der sinne

gnade den wunden
der sorgfältigen tat
klingt der tod
in den ohren
bemerkung der haut:
nach karte gerichtet

das labyrinth
indessen
verzehrt
gelangweilt
vom schwindel
die kinder




TEXTE

Text1

sobald die verbrillten augen
sich inwendig beschäftigen:
entlassung der gespiegelten beobachtung

nicht mehr im leben
und torkelnd vor glück
einige läufer übergeben sich
den zeitausgleich

zur verdeutlichung gewaltiger siege
und als vorbild gedacht:
der rauchende doppelkopfbuddha
zeigt seinen vernarbten griff

bepflastert heilt
die verklebte weltwunde
und schreit ihren gegenpol
durch kraftnetze
ins bewusstsein

einer überraschung gleich
formt sich die kruste
inwendig zur galoppierenden nahrung
die haut ist mit zeichen versehen:
heuchelnde sorgfalt

parallel zur atmungserzeugung
lustschrecklich und mit armen bestückt:
bedingungen
metagenetischer Felder:
die violetten attraktionen

visionsentwachsen
und seiner leichtheit
beraubt:
lebensbrücke
die todbringende irrung:
das doppelrote vergnügen

ElÄuterungen

Leben als Geisteskonstruktion.

Die zentrale Figur eines fettleibigen Menschen, der im Schneidersitz auf dem Boden hockt, erinnert in seinem Habitus an chinesische Buddhadarstellungen. Gelassen betrachtet er mit seinem roten Doppelgesicht, dem Januskopf, Vergangenheit und Zukunft, aber auch, auf der Gegenwartsebene, mehrere Objekte gleichzeitig. Durch die Erleuchtung von der Energie des Lebens geblendet, schützt er seine vier Augen durch Sonnenbrillen, verschleiert aber damit auch seine Identität. Ein Augenpaar des Doppelkopfbuddhas erblickt die Vision eines tibetischen Lamas, den Glauben an die Unterstützung durch Wesen auf der Geistesebene, unterstreichend.
Der ausgestoßene Atem verflüchtigt sich in der Welt, das Wissen um die traumartige Beschaffenheit des Lebens symbolisierend. Um seinen Hals gelegt und Zeichen für unermüdlichen Selbstantrieb, der Knüppelbeinantrieb, das als Svastika bekannte Sinnbild des Weltwillens. Seine übergroße kindliche Hand, weist eine genähte Wunde auf, Hinweis auf erlittene Leiden des Lebens.
Vor ihm, das mit dem Aufdruck „CARE“ versehene und durch symbolische Ornamente geschmückte Paket, welches in seinem Innern die geschenkte geistige Nahrung verbirgt. Rechts neben ihm ein mehrarmiges, fast schon aufgelöst erscheinendes Wesen, Gleichnis für die Begierden des Lebens. Links im Rücken übergibt ein der Vergangenheit angehörender Staffelläufer (Kanalschwimmerin Gertrud Ederle, 1926) seinen Stab, an die Zukunft, repräsentiert durch einen mit Sauerstofftanks und Videoüberwachungskameras ausgestatteten tätowierten Primitiven. In seinem Netz trägt er den erwachsenen Kopf des Autors wie eine Beute: Die Vergangenheit überreicht der Zukunft die Gegenwart. Die Zeit ist an den Raum, das perspektivisch erscheinende Liniensystem, gekoppelt.
Auf der rechten Bildseite führt eine Brücke, die Brücke des Lebens, in den Tod; eine weitere Thematisierung des Zeitmotivs. Der Wächter und der Protagonist beobachten aufmerksam das Leben. Das Firmament, gebildet aus einem nackten dickleibigen Frauenoberkörper, einem medizinischem Demonstrationsphoto, wird durchfurcht von Stromleitungen, Kabelmasten und Isolatoren einer Hochgeschwindigkeitsbahntrasse. Energiegefüllt erscheint das Himmelsgewölbe. Die Körpermasse bedient den Aspekt der Äquivalenz von Masse und Energie.
Ein Heftpflaster in Herznähe schützt die durch das Leben erfahrene Wunde. Leben und Leiden sind untrennbar miteinander verbunden. Die Aufgabe des Menschen besteht in der Entwicklung, die durch Leid ermöglicht wird. Jenseits von Leben und Leiden, das Nirwana. Das Pflaster spendet Trost und Heilung, zwei vogelköpfige Flügelwesen reichen dem zwischen ihnen auftretenden Tod, Opfergaben, um ihn günstig zu stimmen und seine Ankunft im Leben zu verzögern.
Die Erde wird von einem Straßennetzlabyrinth, als Ausdruck der Orientierung auf dem Lebensweg, überzogen. Die Schlange der Weisheit sucht sich einen eigenen Weg durch das Labyrinth, vorgezeichnete Pfade verlassend.

 

 

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